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Die Kirche und das liebe Geld

Die Kirche und das liebe Geld
Ein Plädoyer für verantwortliches Handeln


Das Verhältnis von Kirche und Wirtschaft war in den vergangenen Jahrzehnten oft von kritischer Distanz und ideologischer Voreingenommenheit geprägt. Der gern vorausgesetzte Widerspruch zwischen kirchlichem und wirtschaftlichem Handeln lässt sich aber entschärfen und in eine fruchtbare Beziehung setzen – so der Autor in seinem engagierten Plädoyer für ein verantwortungsvolles Handeln in Kirche und Gemeinde. Christoph Bergner zeigt, dass Kirche und Wirtschaft schon immer aufeinander bezogen waren. Theologische Einsichten prägen das Wirtschaftsleben bis heute. So hat der Protestantismus für die wirtschaftliche Entwicklung der Neuzeit und das Modell der Sozialen Marktwirtschaft entscheidende Beiträge geleistet. Und die Kirche ihrerseits war stets ein Teil dieser Welt, ohne wirtschaftliche Prozesse kann sie nicht leben und schon gar nicht überleben. Gerade die Wirtschaftskrise wird die Kirche zwingen, ihr bisheriges wirtschaftliches Handeln zu überprüfen. Dies fordert eine radikale Umkehr im Verständnis kirchlicher Arbeit, sie darf nicht länger funktionalisiert und in hierarchischen Strukturen mit hohem Verwaltungsaufwand geordnet werden. Dazu legt der Autor konkrete Vorschläge vor und mahnt die evangelischen Einsichten an, die die wirtschaftlichen Entscheidungen in der Kirche prägen sollten: hohe Eigenverantwortung, flache Hierarchien und einen ausgeprägten Sinn für das Gemeinwohl. Der Autor: Dr. Christoph Bergner, geboren 1957, Pfarrer der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Mitglied der Synode mit dem Arbeitsschwerpunkt kirchliche Finanzen. Zahlreiche ehrenamtliche Engagements im Bereich Vermögensverwaltung und Fund?raising u.a. für die Hospizstiftung Bergstraße.

2009, 198 Seiten,
ISBN 978-3-7668-4100-1
EUR 10,95 

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"die Kirche und das liebe Geld"

Marktwirtschaft in der Evangelischen Kirche

Schon 1945 entwickelt der neue Leiter der Kirchenkanzlei der EKD, Hans Asmussen, die Idee einer "Kammer für öffentliche Verantwortung", für die er evangelische Fachleute zu gewinnen sucht. Er spricht vor allem die Mitglieder des ehemaligen Freiburger Kreises an, so dass sich unter der Leitung von Constantin von Dietze eine Arbeitsgruppe zusammenfindet, die eine Stellungnahme zur Wirtschafts- und Sozialordnung in Deutschland verfasst. Darin werden die wichtigsten Forderungen des Freiburger Kreises aufgegriffen und weiterentwickelt. Insbesondere machen sie die Affinität des christlichen Ethos zu diesem wirtschaftlichen Ordnungsmodell deutlich.

Der Kirchentag kann im Jahr 1950 Alfred Müller-Armack als Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Wirtschaft gewinnen.

Müller-Armack hatte sich als Religionssoziologe intensiv mit der Wirkung religiöser Überzeugungen auf die Wirtschaft beschäftigt. Er wies in vielen Veröffentlichungen den Einfluss der Reformation auf die Wirtschaftgeschichte der folgenden Jahrhunderte nach. Als Ökonom hatte er sich kurz nach dem Krieg im Jahr '946 mit der Schrift "Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft" zu Wort gemeldet und dabei die Soziale Marktwirtschaft in ihren Grundzügen erklärt. Dieses Buch veranlasste Ludwig Erhard, Müller-Armack in das Wirtschaftsministerium zu holen, wo er als Staatssekretär an der Umsetzung der Sozialen Marktwirtschaft unmittelbar beteiligt war. Müller-Arrnack wird damit selbst zu einem Beispiel für seine These des

Es verdient festgehalten zu werden, dass sowohl am Beginn des deutschen Sozialstaats in der Bismarckzeit wie auch beim Wiederaufbau des deutschen Staates nach dem Zweiten Weltkrieg ein evangelischer Christ unterstützt und eingebunden in eine Gemeinschaft Gleichgesinnter - grundlegende Entscheidungen vorbereitete und durchführte, die sich auf Jahrzehnte segensreich auswirkten. In beiden Fällen waren es Menschen, die sich durch eine profunde Bildung, einen tiefen Glauben und sachliches Durchsetzungsvermögen auszeichneten.

In der Nachkriegszeit war Müller-Armack auch durch zwei geistesgeschichtliche Abhandlungen an die Öffentlichkeit getreten, die gerade in kirchlichen Kreisen auf große Resonanz stießen: "Das Jahrhundert ohne Gott" und "Diagnose unserer Gegenwart". Er wendet sich darin vor allem gegen die seit der Aufklärung entstandene Verabsolutierung einer rein irdisch bestimmten Lebenskultur und will auf der Grundlage einer christlichen Ethik eine Neubegründung politischer und wirtschaftlicher Ordnung konzipieren. Der Zusammenbruch Deutschlands ist ihm Ausdruck einer entchristiichten Kultur- und Geisteshaltung, die sich im 19.Jahrhundert durchsetzte und im Durchbruch des Nihilismus ihre gefährlichste Ausprägung erreichte.

Während des Kirchentages in Essen erläutert MüllerArmack die "Soziale Marktwirtschaft" als eine offene Wirtschaftordnung, die "die Ziele der Freiheit und der sozialen Gerechtigkeit zu einem praktischen Ausgleich(*48) bringen kann. Der überwältigende Erfolg des "Wirt-

*48 A. Müller-Armeck, Mensch und Arbeitstier, in: Kirche im Volk, Heft 6/1959, 5. i6.